K.o.-Tropfen: Die Gefahr lauert im Glas

Der Jugendgemeinderat ist Kooperationspartner dieser wichtigen Aufklärung.

Sexuelle Übergriffe sind seit der Silvesternacht in Köln das Thema in Deutschland. Doch sexuelle Belästigungen gibt es auch bei Festen

Aufgepasst beim Diskothekenbesuch: Wer sein Getränk unbeaufsichtigt lässt, riskiert, dass K.O.-Tropfen ins Glas geträufelt werden. Die Folge können sexuelle Übergriffe sein.Archiv: dpa

Aufgepasst beim Diskothekenbesuch: Wer sein Getränk unbeaufsichtigt lässt, riskiert, dass K.O.-Tropfen ins Glas geträufelt werden. Die Folge können sexuelle Übergriffe sein.Archiv: dpaoder Veranstaltungen und besonders zur Fasnetszeit. Oft werden K.o.-Tropfen eingesetzt, um das Opfer gefügig zu machen oder zu betäuben. Wie man sich schützen kann, erläuterte nun eine Ravensburger Initiative „Wenn Anmache zu weit geht“.

Schon vor den Ereignissen zum Jahreswechsel in Köln hat sich in Ravensburg die Arbeitsgruppe mit Vertretern der Polizei, der Oberschwabenklinik, Schülern aus Ravensburg und Weingarten und Beratungsstellen zusammengesetzt, um auf die Gefahren durch K.o.-Tropfen aufmerksam zu machen und über das Thema sexueller Missbrauch zu informieren.

Filmriss

Angelika Müller, Oberärztin der Frauenklinik am EK, ist eine Expertin auf diesem Gebiet. „Seit 2006 werden immer mehr Frauen Opfer von sexuellen Übergriffen“, erläutert sie. Und hat dafür eine Reihe an Beispielen parat. So zum Beispiel die 19-jährige Anna. Mit einer Freundin geht sie in eine Diskothek. Dort treffen sie sich mit zwei flüchtigen Bekannten, die sie am Vortag kennengelernt haben. Als die Freundin nach Hause geht, bleibt Anna mit einem der Bekannten noch in der Disco. Danach: Filmriss.

Als sie am nächsten Tag gegen 15 Uhr in ihrem Bett aufwacht, kann sie sich an nichts mehr erinnern, fühlt sich unwohl, Slip und BH findet sie in ihrer Handtasche. Ihr Schmuck fehlt. Abends geht sie zur Polizei und erstattet Anzeige, danach geht sie in die Frauenklinik am EK. „Das ist ein typischer Ablauf“, berichtet Müller. Nach Diskothekenbesuchen, während der Fasnet und, wie Müller betont, verstärkt auch während des Rutenfests.

Trauma

Der Filmriss nach K.o.-Tropfen dauere circa zwölf Stunden. „Das Schlimmste für die Frauen ist, dass sie nicht wissen, was passiert ist. Und auch wir können das nicht immer eindeutig beantworten.“ Eine traumatisierende Doppelbelastung: Einerseits der Kontrollverlust und die Erinnerungslücke, andererseits die Unsicherheit, welche sexuellen Handlungen möglicherweise stattgefunden haben. Die Frauen bekommen in der Klinik vorsorglich die „Pille danach“ und eine Infektionsprophylaxe. „Sie sind geschockt und völlig fertig“, so Müller.

Lebensgefahr droht

20 Fälle im Bereich sexueller Missbrauch registriert die Frauenklinik jährlich. Davon stehen laut Müller ein Viertel in Zusammenhang mit K.o.-Tropfen, eine Mischung aus Beruhigungs- und Schlafmitteln, die falsch dosiert zum Atemstillstand führen können. Mehr als 100 Substanzen, beispielsweise Liquid Ecstasy oder Fantasy Soap, gibt es inzwischen. Hauptzielgruppe seien 18- bis 25-jährige Opfer. Über 30-Jährige selten, immer öfter jedoch Jugendliche unter 18.

Fünf Fälle in fünf Jahren

„Bei K.o.-Tropfen gibt es eine große Nachweisproblematik, weil sie nur sechs bis 12 Stunden im Blut oder Urin festgestellt werden können“, erklärt Michael Schrimpf vom Polizeipräsidium Konstanz. Wichtig sei, dass Anzeige erstattet wird und ein Arztbesuch stattfindet, auch, um Spuren zu sichern und eine DNA-Probe zu erhalten. 40 Fälle hat die Polizei 2015 im Einzugsgebiet des Präsidiums registriert. „Im Kreis Ravensburg waren es in den vergangenen fünf Jahren fünf Fälle.“ Brennpunkt ist in Ravensburg „die Nachtgastronomie in Bahnhofsnähe, besonders die Diskotheken“, sagt Schrimpf.

Das Wichtigste: Getränke nicht alleine lassen. Wenn sich ein Mädchen wehrt, sollte man helfen. Und am Ende der Party zusammenbleiben. Ganz schnell, so Schrimpf, könne man sich auch auf Facebook oder einem YouTube-Video wiederfinden.

Meistens kennen die Opfer die Täter flüchtig, was wiederum Schamgefühle weckt. „Viele denken: Ich bin selbst schuld, weil ich mich mit demjenigen getroffen habe“, sagt Cora Bures von der Beratungsstelle Brennnessel, die ebenso wie „Frauen und Kinder in Not“ an der Initiative beteiligt ist und eine Anlaufstelle bietet.

Schüler haben Wünsche

Die Schüler Alina Nußbaum, Gian-Luca Orecchioni und Bassam Kheir vom Schülerrat Ravensburg und dem Jugendgemeinderat Weingarten können alle von Bekannten berichten, die wegen K.o.-Tropfen ins Krankenhaus mussten oder auf der Straße zusammengeklappt sind. „In vielen Diskos oder Bars sollten auch die Ausweise strenger kontrolliert werden“, kritisiert Alina Nussbaum und weist darauf hin, dass 14-Jährige möglicherweise einfachere Opfer sind. Und Gian-Luca Orecchioni wünscht sich, dass die Türsteher besser aufpassen und auch mal eingreifen, wenn etwas Verdächtiges passiert. Sie wollen nun an ihren Schulen die von der Initiative gestalteten Flyer verteilen und im Unterricht über das Thema aufklären.

Quelle: http://www.schwaebische.de/region_artikel,-Ko-Tropfen-Die-Gefahr-lauert-im-Glas-_arid,10375975_toid,535.html

Posted on 18. Januar 2016 in Allgemein, News

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