Der erste „Welf IV“ im Rollstuhl

Seit 2011 sind sie nicht mehr aus dem Welfenfest wegzudenken: die Welfenpaare. Mit der Namensgebung für das „Welfenfest“, das bis vor sechs Jahren noch das „Schüler und Heimatfest“ hieß, wurden die Welfenpaare als offizielle Repräsentanten des Festes ins Leben gerufen. Am vergangenen Mittwoch wurden die Paare offiziell eingekleidet. Auch Marvin Thurner übernimmt dieses Jahr als einer von sechs weiteren Jugendlichen die repräsentative Aufgabe. Das Besondere daran ist, dass er der erste Jugendliche mit Behinderung unter den Welfenpaaren ist.

Geschichtlicher Hintergrund

Die Idee zur Entstehung der Welfenpaare basiert auf den historischen Vorgängern Welf IV und der welfischen Herzogin Judith von Flandern. Aus geschichtlicher Perspektive seien sie zwar nicht das erste Welfenpaar gewesen, erklärt Horst Wiest, zweiter Vorsitzender der Festkommission, „aber mit Sicherheit das Markanteste.“ Damit meint Horst Wiest die bedeutende Rolle des Paares für Weingarten, die auf den Bau des Benediktinerklosters durch Welf IV zurückzuführen ist und auf die Heilig-Blut-Reliquie, die mit Judith von Flandern nach Weingarten gelangte.

Marvin Thurner findet es vor allem als Jugendlicher mit Handicap wichtig, dabei zu sein. „Es ist wichtig, dass man sieht, dass man so etwas als Rollstuhlfahrer auch machen kann und dass das typische Bild, das manche Leute von Menschen mit Handicap im Kopf haben, aufgebrochen wird.“ Darüber hinaus hofft er darauf aufmerksam machen zu können, dass Veranstaltungen in der Region und die Orte an denen sie stattfinden behindertengerechter gemacht werden. Dabei handelt es sich um Kleinigkeiten die im Alltag oft untergehen, wie zum Beispiel der Zugang zu einem Festsaal oder einer Bühne. Ob in Zukunft wieder einmal Jugendliche mit Behinderung das Welfenfest repräsentieren werden, sei noch offen, erklärt Horst Wiest. Das hänge natürlich auch immer davon ab, wer Lust habe diese Aufgabe zu übernehmen.

Marvin Thurners Partnerin Nadja Gissel kennt das Welfenfest zwar schon gut, freut sich aber darauf, es dieses Jahr auf eine andere Art und Weise erleben zu können: „Wir dürfen in der fünften und sechsten Klasse schon im Festzug mitlaufen. Jetzt in der siebten Klasse ist es toll, in eine andere Rolle zu schlüpfen und das Fest aus einer anderen Perspektive zu erleben.“

Arbeitsteilung gegen den Stress

Zum dritten Mal bereits treten Laetitia Maucher und Tobias Kammel beim Welfenfest symbolisch in die Fußstapfen des ursprünglichen Welfenpaares. Voraussetzung dafür ist die Mitgliedschaft im Jugendgemeinderat der Stadt Weingarten. Hier können sich die Jugendlichen freiwillig melden, um als Welfenpaar am Fest teilzunehmen. „Bis jetzt hat das immer hervorragend funktioniert“, freut sich Eva Stärk, Mitglied der Festkommission, die stolz ist, dass Weingarten eine so engagierte Jugend hat. Den Paaren gefällt es meistens so gut, dass sie sich oft mehrere Jahre infolge dafür melden.

Laetitia Maucher und Tobias Kammel sind auch deswegen wieder ein Welfenpaar, „weil man auch hinter den Kulissen alles mitbekommt“, erklärt Tobias Kammel. „Das ist immer eine spannende Zeit.“ Laetitia Maucher liebt es besonders, auf der Bühne zu stehen und vor anderen Menschen zu sprechen. Dafür nimmt sie gerne in Kauf, dass es neben ihrer Ausbildung, die sie gerade begonnen hat, manchmal ein wenig stressig werden kann. Damit es den einzelnen Jugendlichen aber nicht zu viel wird, teilen sich mehrere Paare die Termine untereinander auf. Bei diesen Terminen sind sie meistens dafür zuständig, die offiziellen Veranstaltungen des Festes zu eröffnen und zu Beginn eine Rede zu halten.

welfenfest

Quelle: http://www.schwaebische.de/region_artikel,-Der-erste-Welf-IV-im-Rollstuhl-_arid,10430687_toid,541.html

Posted on 15. April 2016 in Allgemein

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